›der‹ Organismus ist Idealtypus eines sich selbstregulierenden Systems

“Im späten 20. Jahrhundert, in unserer Zeit, einer mythischen Zeit, haben wir uns alle in Chimären [Mischwesen], theoretisierte und fabrizierte Hybride aus Maschine und Organismus verwandelt, kurz, wir sind Cyborgs.”//Donna Haraway//Er [Cyborg]  ist eine Verkürzung von “Cybernetischer Organismus” und erschien das erste Mal 1960 in einem von den Medizinern Manfred E. Clynes und Nathan S. Kline in einem für die NASA verfassten Artikel, der den Vorschlag macht, für Fahrten in den Weltraum nicht die Bedingungen den Menschen anzupassen, sondern den Menschen körperlich technisiert den dortigen Umweltbedingungen…Hier sollte nun auch deutlich unterschieden werden zwischen konkreter Analyse, Zukunfts-Prognosen und den Bildern aus Science Fiction und Cyberpunk, die potenzielle Entwicklungen gern als Horrorszenarien vor Augen malen. “Science Fiction ist ein Mittel zum Ausloten der kulturellen Flächen, auf denen Verschiebungen der Maßstäbe (technische Innovationen, neue Bewertungen u.a.) stattfinden: inhaltliche Neuerungen, die in Korrespondenz stehen mit sozialen Veränderungen… ‘Echte paradigma-ändernde Ansätze werden im Cyberspace rar sein’, schreibt Bruce Sterling, ‘besonders wenn er von einer technikphilosophischen Rhetorik getragen wird, die eine Revolution im Zustand der Menschen proklamiert.”//Stefanie Schäfer-Bossert//Prae-posthumane Ansichten

“Marshall McLuhan erkannte an der Grenze der Moderne zur Postmoderne die Medien als “extensions of man”, einer Konsequenz des Dual-Konzeptes Organismus/Umgebung. In einer religiösen Bedeutung wird nun das aus den menschlichen Körpern in die Rechnernetze verlagerte Gesamtbewusstsein der Menschheit ein Fluchtpunkt technischer wie auch heilsgeschichtlicher Entwicklung. Diese Erweiterung des menschlichen Gehirns (resp. reduktive Gleichsetzung des Menschen mit Information) entspricht dem Bedürfnis vieler Okkultisten, einen homo superior zu erzeugen, eine Ueber- und Herrenrasse, die das eigene Genmaterial willentlich verändern kann. Für viele Okkultisten ist das Internet eine Art erweiterte unbewusst-elektronische Verlängerung des Nervensystems, ein astrales Selbst, das zu einer neuen Form menschlichen Zusammenlebens zu führen scheint… Die neuen Medien koppeln sich nicht an die Sehnsucht nach Unsterblichkeit, sondern an den Drang gnostisch perfekt zu werden. Der Körper hat keinen eigenständigen Wert, da er partiell ersetzt werden kann und sollte. Die Neurotechnologien zielen auf die Loslösung vom Körper hin, um den Mind elektronisch zu speichern, zu verbessern, neu zu programmieren. Die Möglichkeit und der Wunsch den Körper zu beeinflussen, zu verändern und zu verbessern sind nur ein Ausdruck einer wachsenden Unwilligkeit, körperliche und geistige Behinderungen zu akzeptieren…. Das faschistoide Selbst verbunkert sich in einer globalen Gesellschaft ohne Körper. Safe Sex, safe drugs, safe transcendence und safe feminism….Der Schein der individuellen Wahl und Programmgestaltung, der Schein der Freiheit im rituellen Seh-Korsett. “//P.R. König/McDonaldisierung der Okkultur

Cyberspace ist der im Ort im virtuellen Raum.
Die virtuelle Realität ist die Erscheinung des Ortes.
Der virtuelle Raum ist die Gesamtheit aller möglichen Cyberspaces.

Cyberspace bedingt die Körperlosigkeit des Ichs und die Trennung von Geist und Körperlichkeit. Die Welt wird zum Traum.

Hier ist es möglich aus preiswerter Information Gebäude jeglicher Art und ohne die Restriktionen der realen Welt zu bauen….Hier kann realisiert werden was nicht gebaut werden kann und soll. Hier ist der Mensch frei von allen Beschränkungen in der absoluten Herrschaft des Auges gefangen. Hier bekommt das Zeichen wieder sein Form, und das Bauen löst sich vom Wohnen… Der Cyberspace konstituiert sich aber aus der Differenz zur realen Welt. Er wiederholt die Welt im Sinne des betrachenden Ichs.

Die reale Welt ist als eine Welt apriori wesentlich für die Erfahrung des Cyberspace als virtuelle Realität.”///stefan hajek/cyber das soma der zukunft

“Neben der Bewegungs- und Raumfunktionalität, die auch in virtuellen Umwelten Orientierung, Navigation und Interaktion erst ermöglicht, konstituiert sich virtuelle Körperlichkeit durch die Sprache des Körpers, seine Eigenschaft als Signifikant sowie als Grundlage von Werten und Normen. Es sind dies vor allem Aspekte sozialer Körperlichkeit, die auch in den immateriellen Welten des Cyberspace existieren und letztlich virtuelle Körperlichkeit aus der Taufe heben. Durch die Differenz eines materiellen und
immateriellen Körpers wird in der Folge ein Potential der Infragestellung unseres bisherigen
Verständnisses des Körpers eröffnet. “///Jörg Müller/Virtuelle Körper Aspekte sozialer Körperlichkeit im Cyberspace

“Jenseits aller sozialer, politischer und letztendlich kultureller Grenzen lockt ein computeranimiertes Multiversum, in dem  der transhumane Mensch, Material, Form und Beschaffenheit des Körpers selbst wählen kann. Sei es real unter Zuhilfenahme computergenerierter Chirurgie oder virtuell als digitale Repräsentation eines körperfernen Ichs; als ein sogenannter Datenkörper, der sich “frei” im Internet bewegt, “ohne Mangel und Behinderung” , ein Phantasma unbegrenzter Machbarkeit und letztendlich Autonomie.”// “Im cyberianischen Zustand der Vereinzelung, per Modem und Bildschirm verbunden und gleichzeitig ab/getrennt, entsteht der Wunsch und die Sehnsucht in unsere Körper zurückzukehren, diese zu spüren, die bedrohte Grenze wiederherzustellen, um Kontrolle zurückzugewinnen.

Jenseits des medialen Dauerfeuers gilt es Räume zu erhalten, in denen Körper und Bewußtsein nicht gespalten werden, sondern vielmehr als “natürliche Einheit” erfahren werden können. Bleibt dieser soziale Kontext erhalten, können die technischen “Hilfsorgane” nicht nur zur “mentalen Masturbation” dienen, sondern tatsächlich eine phantasievolle und befriedigende Form der Erweiterung bedeuten.”//PARFEN LASZIG///Deus ex Multimedia – Körperlichkeit im digitalen Raum

An einem anderen Ort macht man sich jedenfalls scheinbar Gedanken über den Unterschied, der die Identität/Intimität des Einzelnen bestimmt und das Geschlecht ist. “//Lt. Wichmann//Cyborgs – monströse Geschlechter

“Wir können uns der Verantwortung aber niemals dadurch entziehen, dass wir behaupten, wir wären von Natur aus unschuldig – oder besser: unbeteiligt, nicht in die komplexen Systeme von Macht und Herrschaft verwoben – und müssten nur zu dieser Natur zurückfinden. Ganz im Gegenteil, die zunehmende Verbreitung von Computersystemen in den meisten Bereichen des Lebens führt dazu, dass Menschen bereits in symbiotischer Beziehung mit der Computertechnik leben und damit die Grenzen zwischen Organismus und Maschine verwischen. Gleichzeitig entwirft sie die Cyborg als Figur der feministischen Reflexion, die nach der Verantwortung an der Konstruktion von Stereotypen und Normen im Cyborgzeitalter fragt.”//gendermedia

“1984 prägt William Gibson in seiner science ficition “Neuromancer” den Begriff des “Cyberspace”, der fortan die virtuelle Welt der digitalen Daten/Körper bezeichnet:
Er beschreibt den Raum eines kybernetisches Datennetzes, der bildorientiert wahrgenommen und nahezu halluzinatorisch erfahren wird. “Cyber” verweist auf das Organisationsmuster eines kybernetischen Zusammenhangs , der sich dynamisch und selbstregulativ konstituiert. Jenseits essentialistischer oder naturalistischer Zuordnungen werden die als “Cyborgs” durch ihre Position und Funktion in Differenz zueinander definiert und durch selbststeuernde Prozesse der Codierung, Rückkopplung und des kombinatorischen Spiels hergestellt und erhalten. Wahrgenommen werden die digitalen Daten/Körper in einem medialen Szenario der Bilder und Zeichen.”/Statt des Spiegels ist der “Cyberspace” das Medium, von dem aus die eigene Person und Identität als “Cyborg” vor- und her-gestellt wird./Jutta Franzen/Die Homepage als “Home of the Cyborgs”

“Genauer gesagt: Mindestens in Deutschland scheint Cyberfeminismus zwar zeitweise zum “Buzzword” aufgestiegen, gleichwohl aber den meisten ein Fremdwort geblieben zu sein…. “vielfältige Alternativen zu den Narrationen über Hacker, Konsolencowboys, feministische Cyborgs und die Mythen einer ‘geschlechtsfreien’ Cyberkultur” bieten, insofern sie deren charakteristische Topoi und Figurationen weder als reine Projektionsflächen männlicher Autoritäts- und Repräsentationsansprüche verhandeln noch auch vorbehaltlos zu Metaphern und Vehikeln weiblicher Utopien erklären wollen. Vielmehr solle sich ein vielstimmiges Bild des “Cyberspace” ergeben, das diesen in seiner Komplexität und Widersprüchlichkeit fassen könne, nämlich als einen Raum, in dem es “Unterdrückung ebenso gibt wie Platz für taktische Manöver”.//Verena Kuni// Kreuz- und Que(e)rfahrerinnen im Cyberspace Schöne Neue Welt, revisited

“Das Netz überwindet die Trägheit des stofflichen Körpers indem es einen erdumspannenden Kommunikationsraum konstituiert, welcher die weitverstreuten Weltenbürger zu anonymen, körperlosen Nachbarn eines globalen Dorfes zusammenzieht.

Von allen Seiten kreist die Technik den materiellen Körper ein, der in ihrem übermächtigen Angesicht erblaßt, langsam transparent wird, um sich scheinbar ganz aufzulösen.”/Im Cyberspace existiert ein immaterieller, beliebig zu gestaltender Körper, der dennoch als Körper, im Sinne der Anwesenheit in sozialen, virtuellen Räumen, fungiert. Der Körper ist damit nicht mehr jener unverrückbare, “natürlich” gegebene Ankerpunkt unseres Daseins: auch er gerät in Bewegung, wird zum Projekt des aktiven Formens, Manipulierens und Stylens./Jörg Müller//Virtuelle Körper

” Durch Biotechnologie und neue Kommunikationstechnologien wird der “rassistische, männlich dominierte Kapitalismus” (Haraway) so verändert, daß eine “Informatik der Herrschaft” entsteht, in der Frauen mit neuen Formen der Unterdrückung konfrontiert sind. Vernetzung wird dabei zu einem immer wichtigeren Moment. Durch die neuen Technologien verwischen sich zunehmend die Grenzen zwischen Mensch und Maschine.Die feministische Science Fiction liefert Erzählungen, die Basis für eine Vision einer zukünftigen Cyborg-Gesellschaft ohne Gender sein können, in der es also keine Grenzen und Unterschiede zwischen Mann und Frau und somit auch keine Frauenunterdrückung gibt. “//Christian Fuchs//Der Feminismus Donna Haraways und die materialistisch-feministische Kritik der Postmoderne

About

human being

Tagged with: , ,
Posted in cyberpunk
3 comments on “›der‹ Organismus ist Idealtypus eines sich selbstregulierenden Systems
  1. gabrielstagebuch says:

    sach ma haate eine private gif cyberspace/cyberpunk sammlung?😉

  2. gabrielstagebuch says:

    – haate
    +haste

  3. nexuslex says:

    m, das netz?

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

wired at heart weird on top
Tears in Rain
  • nl
    nexuslex posted a new favorite picture (via):
  • unknown
    nexuslex posted a new favorite picture (via):
%d bloggers like this: