Dem Kampf der Armut auf der Spur

Möglicherweise gibt es Verbindungen zur Church of Euthanasia, um die es im Vergangenen ruhig war, deren neuerliches aus dem Dunkel luken, uns aber nicht entgangen ist. Der dunkel-vieldeutbare Humor könnte einen Hinweis geben.

Korrespondenten ; Oke Göttlich (finetunes solutions)/ Jörg Sundermeier

/

Reverend Chris Korda

“Besucht man die Web-Page der Church of Euthanasia (COE) bekommt man den Eindruck, es mit prima durchgeknallten Weirdos zu tun zu haben, eine Art amerikanische-veganische A.P.P.D.” (JungleWorld/1999.A.D.)

Reverend Korda selbst, der sich kleidet, als sei er seine eigene Tante : “Elektronische Musik ist eine weitverbreitete Form der Propaganda, sie transportiert Inhalte einfach, zumindest, wenn man eine geistreiche Produktion voraussetzt. Ich kann mich mit den müden Klischees des Rock oder des Punk, die Fake-Rebellion massenhaft vermarkten, nicht identifizieren. Die Eckpfeiler der Industriegesellschaft – Industrialismus, Globalismus, Kontrolle – haben sich nicht verändert und werden sich nicht verändern. Ich versuche Leute davon zu überzeugen, ihre Abhängigkeit von dieser Gesellschaftsform – zum Beispiel dadurch, sich nicht zu vermehren – zu reduzieren, als erster Schritt, um sie ganz zu befreien. Ich bin gegen Politik, daher ist die apolitische Natur des Technoszene für mich eher ein Vorteil.”

Natürlich beinhaltet seine Lehre den für alle politisch aktiven Veganer typischen Denkfehler, daß sie den Menschen selbst nicht als Teil der Natur betrachtet, sondern ihn für etwas Über- oder Antinatürliches hält, das sich quasigöttlich selbst überwinden kann. Anders als andere Veganer ist er kein hinterwäldlerischer Naturanbeter mit ausgeprägter Technikfeindlichkeit.

Die Kirche demonstriert mit einem riesigen Schaumstoffpenis vor Samenbanken; sie fordert auf Plakaten dazu auf, für Jesus einen homosexuellen Fötus zu verzehren; sie schwenkt auf Wahlkampfveranstaltungen eines besonders konservativen Senators Hakenkreuze – wohlgemerkt, um ihn zu unterstützen -, da er die einzige Hoffnung des faschistischen Amerikas sei. Sie verbreitet Schlachtertips, welche Teile des menschlichen Körpers genießbar seien und welche Barbecue-Soßen dazu passen.

So begreift er sein Auftreten nicht als Kunst. Pop ist ihm ein Transportmittel

Pochette “Meine Musik ist nur dann effektiv, wenn sie die Leute unterhält. Boring propaganda doesn’t work. Der Unabomber ist ein gutes Beispiel. Sein 30 000 Worte-Manifest war gut durchdacht, hatte jedoch keine Entertainmentqualitäten. Die meisten Leute haben das beiseite gelegt und sich dem Sportteil zugewandt. Die Aktivitäten der Church of Euthanasia erscheinen oft unsinnig oder provokativ. Das folgt aus einer Strategie, die ihre Wurzeln im Dadaismus oder in Anti-Art-Bewegungen hat und auf dem Wissen basiert, daß das Paradoxe das beste Mittel gegen Totalitarismus ist.”

Gewalt hält er – obschon er für militante Aktionen Bewunderung hegt – grundsätzlich nicht für das geeignete Mittel, um sein Ziel, die menschenlose Erde, durchzusetzen.

“Historisch gesehen, sind Kriege völlig uneffektive Formen der Bevölkerungsreduzierung, nicht nur, weil ihnen Baby-Booms folgen, sondern auch industrieller Wiederaufbau und ökonomisches Wachstum, etwa in Deutschland und Japan. Moderne Kriege werden geführt in Zusammenarbeit mit industriellen Kräften, und könnten als Spasmen des technologischen und ökonomischen Wachstums angesehen werden.”

“Krieg ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel, der wahre Inhalt des Industrialismus. Produktion und Verbrauch verbinden sich auf dem höchsten Punkt der Effektivität zu einem einzigen Prozeß der Desintegration.”

Korda und die Church of Euthanasia begeben sich in genau die gleiche Falle, in die die Provo- und Sponti-Aktionisten Anfang der achtziger Jahre steuerten. Mit der permanenten Relativierung des Holocaust wird dieser zunächst marginalisiert, dann aber wiederum als anwendbare Möglichkeit denkbar. Krieg, Holocaust, Faschismus, all das verkommt so zur Formfrage.


About

human being

Tagged with: , , , , , ,
Posted in cyberanthropolgy
2 comments on “Dem Kampf der Armut auf der Spur
  1. […] meinen Nachforschungen über die Church of Euthanasia bin ich auf Liberty to the Captives, christliche Seelenretter, gestossen, die die COE für klar […]

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

wired at heart weird on top
Tears in Rain
  • nl
    nexuslex posted a new favorite picture (via):
  • unknown
    nexuslex posted a new favorite picture (via):
%d bloggers like this: